schachverein bad mergentheim

Mit zwei klaren Siegen Soll erfüllt

Paulius Pultevinicius der junge Litauer Nationalspieler und frisch gebackene Schnellschach-Europameister gewann alle sieben Partien

Mit zwei wichtigen Pflicht-Siegen am vergangenen Wochenende wahrten die Schachfreunde Anderssen Bad Mergentheim ihre Chancen auf den direkten Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga. In Walldorf, dem Ausrichter der Doppelrunde, konnten nicht nur vier Mannschaftspunkte, sondern mit hohen Siegen gegen die Gastgeber und gegen Eppingen in der Endabrechnung eventuell wertvolle Brettpunkte gesammelt werden. Kein einziges der 16 Einzelspiele ging verloren. Als wichtigster Konkurrent um den Aufstieg kristalliert sich München heraus.

Die Ausgangslage war klar: Zwei Siege mussten her. Die beiden Gegner Walldorf und Eppingen kennt man aus unzähligen Begegnungen auf Verbandsebene des Badischen Schachverbands gut – was natürlich auch umgekehrt gilt. So war die Begegnung am Samstag gegen das junge Team Walldorf anfangs von gegenseitigem Respekt geprägt. Trotz der auf dem Papier bestehenden nominellen eigenen Überlegenheit war Bad Mergentheim gewarnt, denn in den bisherigen Saisonpartien wussten die jungen Wilden Walldorfs ein ums andere Mal positiv zu überraschen.

So ereignete sich in der Eröffnungsphase zunächst nicht viel und die acht Einzel-Partien plätscherten so vor sich hin. Wichtig war dann, dass die erste Entscheidung mit dem Sieg des eigenen Jugendspielers Jachym Nemec zugunsten der Schachfreunde fiel. Die Gegner mussten nun mehr riskieren und wurden gnadenlos ausgekontert. Wie aus dem Nichts stand es um die Zeitkontrolle nach vier Stunden glatt 5:0. Obwohl der Mannschaftskampf somit entschieden war, ließen die Schachfreunde nicht locker, denn in der Endabrechnung mag es auf die Brettpunkte als Summe der erzielten Punkte der einzelnen Partien ankommen. Noch ein Sieg und zwei Remisen führten zum auch in dieser Höhe verdienten 7:1-Kantersieg.

Am Sonntag hieß der Gegner Eppingen, ein in den letzten Jahren immer unangenehmer Gegner. Die Kraichgauer hatten tags zuvor mit ihrem seit Jahren eingespielten und mit immerhin fünf Großmeistern gespickten Team den Reisepartner Bad Mergentheims Nickelhütte Aue klar mit 5,5:2,5 abgefertigt. Respekt war also wieder angebracht. Und so lief es dieses Mal auch nicht so leicht wie am Vortag, obwohl wiederum Jachym Nemec recht schnell den ersten Punkt einsackte. Am Spitzenbrett kam Valeriy Kazakovskiy schon früh gegen den seit Urzeiten für Eppingen spielenden Christopher Noe gehörig unter Druck, während sich an den anderen Partien noch nichts abzeichnete.

Aber wenn es läuft, dann läuft es eben. So lässt sich das Wochenende für die Schachfreunde zusammenfassen. Die nominelle Überlegenheit wurde auch gegen Eppingen schnell in zählbare Erfolge umgesetzt. Der wie ein Uhrwerk spielende diesjährige Europameister im Schnellschach Paulius Pultinevicius bestätigte wieder einmal seine herausragende Form und schraubte seinen Saison-Score auf volle sieben Punkte aus sieben Partien. Nach und nach gewannen die Schachfreunde die Partien mit leichten Vorteilen und retteten diejenigen mit Nachteilen ins Remis. Selbst am Spitzenbrett überlebte ein in der Brettmitte stehender und beidseitigen Angriffen des Eppingers Noe ausgesetzter König irgendwie. Resultat war nach vier Siegen und vier Remisen ohne eine einzige Niederlage ein klarer 6:2-Sieg.

Die Schachfreunde Anderssen bestanden somit die Bewährungsprobe gegen zwei mittelstarke Teams eindrucksvoll. Bisher hatte man gegen die beiden Bundesligareserven aus Baden-Baden und Viernheim äußerst knapp verloren und gegen die Tabellenschlusslichter hoch gewonnen. Entscheidend dürfte neben den zwei herausragenden Einzelspielern Pultinevicius und Nemec der Umgang im Kampf gegen den zweiten Gegner am Brett, der Uhr, gewesen sein. Die Spieler schonten diesmal die Nerven von Mannschaftsführer Johannes Raps, teilten sich ihre Bedenkzeit sorgfältig ein und vermieden so die kritischen Zeitnotschlachten, in der zu Saisonbeginn entscheidende Partien zu Ungunsten gekippt waren.

Nach sieben der elf Runden stehen bei fünf Siegen und zwei Niederlagen 10 Mannschaftspunkte zu Buche. In der Zweitwertung, den Brettpunkten als Summe der Einzelergebnisse, liegen die Schachfreunde sogar mit 39,5 deutlich und so gut wie uneinholbar vorne. Dies könnte sich am Saisonende als wichtig erweisen, da diese Zweitwertung bei Punktgleichstand mit einem Aufstiegskonkurrenten den Ausschlag gibt. Als wichtigster dieser Konkurrenten kristallierte sich am Wochenende der Münchener Schachclub 1836 heraus. Die bisher ungeschlagenen Bayern gaben am Wochenende zwar einen Mannschaftspunkt ab, liegen aber in der Tabelle mit einem Spiel weniger nur einen Punkt hinter Bad Mergentheim. Die Ausgangslage bleibt damit unverändert: Gewinnen beide Mannschaften bis zu ihrem direkten Duell am letzten Spieltag am 1. März jeweils ihre Begegnungen, so müssen die Schachfreunde gewinnen.

Ein Punkt hinter München mit ebenfalls einem Spiel weniger liegt Göggingen, das noch in diesen Zweikampf eingreifen könnte. Das ausgeglichen besetzte Team hatte bisher gemischte Ergebnisse und verlor etwa gegen die beiden Bad Mergentheimer Gegner dieses Wochenendes, um dann postwendend Tabellenführer Baden-Baden 2 klar zu schlagen. Auf diese „Wundertüte“ treffen die Schachfreunde am ersten Spieltag der Schluss-Doppelrunde, deren Gastgeber sie selbst im Dorfgemeinschaftshaus Löffelstelzen sind. Hoffentlich gibt dann der Heimvorteil den Ausschlag zum erfolgreichen Wiederaufstieg in die stärkste Schachliga der Welt. Jedenfalls hat man es selbst in der Hand.

Ebenfalls in Walldorf fand am Sonntag das Spiel der beiden Reserven Walldorfs und Bad Mergentheims in der Oberliga Baden statt. Hier konnte sich die Walldorfer „Zweite“ für die Niederlage ihrer „Ersten“ am Vortag eindrucksvoll rächen. Bad Mergentheim ging glatt mit 2:6 unter. Trotz der erneuten „Klatsche“ stehen die Schachfreunde in der völlig ausgeglichenen Oberliga auf dem fünften Platz nur einen Punkt hinter dem neuen Spitzenreiter Walldorf. Vier Runden vor Schluss ist also alles noch drin.

21.01.2026