schachverein bad mergentheim

Kopf an Kopf mit München vor Saisonfinale

Den beiden Jugendspielern Timothe Razafindratsima und Jachym Nemec gewannen am Wochenende beide Partien.

Spannung pur verspricht das Saisonfinale der 2. Bundesliga Süd im Schach. Sowohl München als auch Bad Mergentheim absolvierten ihre Pflichtaufgaben am vergangenen Wochenende mit klaren Siegen. Die hiesigen Schachfreunde besiegten Regensburg und Garching, und sicherten sich somit den zweiten Platz mit einem Mannschafts- aber deutlich mehr Brettpunkten hinter den führenden Münchnern. Im Saisonfinale zuhause in Löffelstelzen sind die Chancen ausgeglichen.

Gastgeber der Doppelrunde des achten und neunten Spieltags war diesmal Regensburg. Die Vorgabe in beiden Spielen war für die Schachfreunde klar: Man musste die Spiele gegen die Gastgeber und gegen Garching gewinnen, um im Fernduell den in ihren Spielen ebenfalls klar favorisierten Münchnern auf den Fersen zu bleiben und sie im Saisonfinale im direkten Duell noch abfangen zu können. In beiden Spielen war man Favorit. Die wichtigste Frage war demnach, ob die Nerven halten würden.

Am Samstag traf Bad Mergentheim auf die Gastgeber. Die Regensburger Aufstellung war keine Überraschung, das Team trat in der gleichen Besetzung wie in allen vorherigen Saisonspielen an. Da Gleiches nahezu auch für Bad Mergentheim galt, war jeder Spieler beider Mannschaften auf seinen Gegner vorbereitet. Dies begünstigt normalerweise die nominell stärkere Mannschaft und so war es auch: Bad Mergentheim holte durch ihre Jugendspieler Timothe Razafindratsima, Jachym Nemec und Jakub Kusa an den hinteren Brettern schnell schon vor der Zeitkontrolle volle Punkte.

Dieser beruhigende 3:0-Vorsprung geriet danach nie in Gefahr. Die Gegner mussten kommen und etwas riskieren, auch wenn objektiv in den jeweiligen Stellungen vielleicht ein ruhigerer Zug angebracht wäre. Bei den Bad Mergentheimern wiederum hielten die Nerven stand, kein einziges Einzelspiel ging verloren und es kamen sogar zwei weitere Siege dazu. Mit dem 6,5:1,5-Kantersieg bauten die Schachfreunde im Fernduell mit München, das „nur“ 5,5:2,5 gegen Heidesheim gewonnen hatte, ihren Brettpunktevorsprung um einen weiteren Punkt auf sieben Punkte aus.

Garching, der Gegner tags darauf, war etwas stärker einzuschätzen. Und er war stärker. So viel stärker, dass die Schachfreunde in ernste Verlustgefahr gerieten. Nach kurzer Zeit schon sahen die beiden letzten Bretter komplett verloren aus, während die ersten beiden sich schnell auf Remis einigen mussten. An all diesen Brettern war Bad Mergentheim nominell überlegen und sollte im Schnitt also ein positives Ergebnis erzielen. Mannschaftsführer Johannes Raps blieb nichts anderes übrig, als die Marschroute der soliden Spielanlage in allen Einzelpartien zu ändern. Er wies die Spieler an, mehr zu riskieren.

Diese Anweisung konnte er bald beruhigt zurücknehmen, als die Wende durch die Jugendspieler Razafindratsima und Nemec kam, die wie schon am Tag in den entscheidenden Momenten ihrer dramatischen Partien schlicht weiter rechneten als ihre Gegner. Das sorgte nicht nur für Punkte, sondern endlich wieder für die nötige Ruhe bei ihren noch spielenden Mannschaftskollegen, die tatsächlich die nötigen restlichen Punkte einfuhren, indem sie entweder gewannen (Tomas Laurusas) oder den sicheren Remis-Hafen ansteuerten (Fy Rakotomaharo). Jakub Kusa konnte sogar seine schon objektiv komplett verlorene Partie noch wundersam retten, während bei Lukas Vlasak schlicht nichts mehr zu machen war.

Mit dem auf den ersten Blick klaren 5:3-Sieg konnte die vermeintliche Pflichtaufgabe abgehakt werden. Die Augen richteten sich nun auf das Fernduell mit München. Gegen deren ebenbürtigen Gegner Viernheim 2 hatten die Schachfreunde immerhin eine ihrer beiden Saison-Niederlagen kassiert. Leider gab sich München keine Blöße und gewann sogar recht souverän 5:3. Die Enttäuschung war den Spielern der Schachfreunde deutlich anzusehen. Ein Ausrutscher der Gegner in diesem Spiel war bisher die objektiv beste Chance, selbst die Tabellenführung zu übernehmen. Am Ende überwog aber eindeutig die Erleichterung, selbst mit etwas Glück gewonnen zu haben.

So bleibt es bei der Ausgangslage, dass München im letzten Spiel der Saison geschlagen werden muss, um ganz sicher als Erster wieder aufzusteigen. Im Spiel zuvor treffen die Schachfreunde auf die starke Mannschaft aus Göggingen, während München gegen den Tabellenletzten Aue vor keine ernsten Probleme gestellt wird. Da man gegen München ohnehin gewinnen muss, macht im Duell mit Göggingen ein Unentschieden keinen Unterschied zu einem Sieg. Auf die rechnerischen Möglichkeiten, neben den beiden Meistern der Nord- und Süd-Gruppe den dritten Aufstiegsplatz zu belegen, will sich Mannschaftsführer Johannes Raps nicht verlassen müssen. Die Devise ist, gegen Göggingen nicht zu verlieren und München zu schlagen.

Jedenfalls haben die Schachfreunde es selbst in der Hand, den direkten Wiederaufstieg in die Erste Liga klarzumachen. Ganz entscheidend kann sich der Heimvorteil erweisen: Die Schluss-Doppelrunde findet am Samstag 28.02. 14 Uhr / Sonntag 01.03. 10 Uhr „dahoam“ in der gewohnten Umgebung im Gemeindesaal Löffelstelzen statt.

Die Reserve Bad Mergentheims muss dagegen in der Oberliga Baden nach der chancenlosen 2:6-Klatsche gegen Tabellenführer Kuppenheim endgültig ihre Aufstiegshoffnungen begraben und auf Defensive umstellen. In der ausgeglichenen Liga findet man sich plötzlich in Abstiegsgefahr wieder. Bei bisher ausgeglichener Punktebilanz sollte zwar ein Sieg in den letzten drei Begegnungen reichen, ist aber gegen starke Gegner insbesondere nach den zuletzt gezeigten dürftigen Leistungen keineswegs sicher.

09.02.2026