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Schachfreunden gelingt direkter Wiederaufstieg in dramatischem Saisonfinale
Spannung pur versprach das Saisonfinale der 2. Bundesliga Süd im Schach – und so kam es auch. Sowohl München als auch Bad Mergentheim traten in starker Besetzung zur finalen Doppelrunde an, gewannen ihre erste Partei jeweils souverän und lieferten sich dann ein Duell auf Augenhöhe im letzten Saisonspiel. Mit etwas Glück, insgesamt aber verdient fingen die Schachfreunde den früheren deutschen Serienmeister mit dem knappsten aller Resultate noch ab und sicherten sich den Meistertitel und damit den direkten Wiederaufstieg. München muss in den Stichkampf gegen Erkenschwick, den Zweiten der Gruppe Nord.
Die Aufstellung des Gegners sorgte für sichtbare Erleichterung bei Mannschaftsführer Johannes Raps: Göggingen war nicht mit der stärksten Acht angetreten und war offensichtlich mit dem bereits erreichten eigenen Saisonziel zufrieden, dem Klassenerhalt. Die Maxime musste nun sein, nichts zu riskieren und lange, ruhige Partien anzustreben, in der sich irgendwann die eigene spielerische Überlegenheit wird durchsetzen können. Aber auch die Gögginger hatten ihre Strategie: Den leichten Vorteil des Anziehenden bei ihren eigenen Weiß-Partien in sichere Unentschieden umzumünzen und bei den Schwarz-Partien Bad Mergentheim, das unbedingt gewinnen musste, kommen zu lassen und dann auszukontern.
So geschah dann lange Zeit das zu Erwartende: Nichts. Die Strategie Göggingens schien anfänglich sogar aufzugehen, als in zwei ihrer Weiß-Partien tatsächlich nichts mehr ging, und sie ins schnelle Remis versandeten. Dann zahlte sich jedoch umgekehrt die Bad Mergentheimer Strategie aus, die eigenen Weiß-Partien ohne großes Risiko anzugehen und den Anzugsvorteil geduldig auszubauen. Zwei Siege und beim Zwischenstand von 3:1 nach Punkten war die Vorentscheidung gefallen. Am Ende gingen tatsächlich nach Plan alle Weiß-Partien an Bad Mergentheim, und der einzige Schwarz-Sieg des Tages von Vyacheslav Ikonnikov führte sogar zum 6,5:1,5-Kantersieg. Sicherlich etwas zu hoch angesichts des Spielverlaufs, aber endlich einmal gelang es, die von der Mannschaftsführung vor Spielbeginn ausgegebene Marschroute eins-zu-eins umzusetzen. Dies war zu Beginn der Saison insbesondere bei den beiden bitteren 3,5:4,5-Niederlagen noch keineswegs der Fall gewesen. Rundum Zufriedenheit also in den Gesichtern des Betreuerteams.
Das Minimal-Ziel war mit der Sicherung des zweiten Platzes und damit des Erreichens des Stichkampfs mit dem Zweiten der Nord-Gruppe der Zweiten Liga erreicht. Für das eigentliche Saisonziel des direkten Wiederaufstiegs mussten am Sonntag die in Bestbesetzung antretenden Münchener besiegt werden, um sie noch abzufangen. Bei einem Unentschieden dagegen wäre München Meister.
Die Begegnung hielt, was sie versprach. Der Kampf auf Augenhöhe wogte hin und her mit immer leichten Vorteil Bad Mergentheims. Zunächst ging wie am Tag zuvor die Strategie des Gegners zuerst auf, denn sie erreichten an den vorderen Brettern, an denen die Kurstädter nominell überlegen waren, zwei schnelle Remis.
Wieder einmal war es Timothe Razafindratsima vorbehalten, für die Vorentscheidung zu sorgen. Dabei hatte die Mannschaftsleitung mit dem Einsatz des Pariser Jugendspielers einiges riskiert, denn Timothe war nach einem langen Turnier im nordfranzösischen Capelle-la-Grande erst spät und übermüdet angereist. Andererseits belegte er in diesem hochkarätigen Turnier den hervorragenden zweiten Platz und erspielte eine Großmeisternorm. Die Entscheidung zum Einsatz erwies sich als richtig. Obwohl als Angriffsspieler selbst einem Angriff des Müncheners Großmeister Hoffmann ausgesetzt, verteidigte er sich vollkonzentriert und setzte den entscheidenden Konter zum Sieg in der beginnenden Zeitnotphase.
Dieser eine Sieg Abstand sollte bis zum Ende des Kampfes halten. Das Team hatte noch einige brenzlige Situationen zu überstehen, als sich Fy Rakotomaharo und Slava Ikonnikov heftigen Angriffen auf ihre Königsstellung ausgesehen sahen. Ersterer entschied sich in einer Verzweiflungstat zu einem Figurenopfer gegen immerhin zwei Bauern, und konnte mit viel Glück und Geschick die entstehende Stellung zur Überraschung manches Beobachters tatsächlich remis halten. Ikonnikov fand einen Ausweg aus seiner brenzligen Lage in ständigen Angriffen auf die gegnerische Dame, so dass eine Zugwiederholung und damit remis unvermeidbar war. Damit hatte man gegen zwei stark eingeschätzte Gegner zwei Remis erreicht. Das Aufatmen der Betreuer war deutlich zu vernehmen.
Es war schon sehenswert, wie Maxim Rodshtein am Spitzenbrett völlig cool blieb und seine leicht vorteilhafte Stellung mit guten Gewinnchancen bei der erstbesten Gelegenheit im Sinne der Mannschaft in eine völlig ausgeglichene Stellung abwickelte, in der für beide Seiten nichts mehr ging. Sein Gegner Marius Deuer versuchte noch etwas, aber es war aussichtslos: Die Hände wurden schließlich zum Remis gereicht, der knappst-mögliche 4,5:3,5-Sieg stand fest. Meister und Wiederaufstieg!
Ausschlaggebend für diesen tollen Erfolg war sicher, dass Teammanager Klaus Kistner über die gesamte Saison an jedem Spieltag eine starke Truppe an die acht Bretter bekam. Nach Brettpunkten, also der Summe aller Einzelergebnisse und damit der Tordifferenz in anderen Sportarten vergleichbar, hätte man mit riesigem Abstand gewonnen (62 Punkte gegen den Zweitplatzierten mit 53,5). Man hatte also eindeutig die besten Spieler der Liga im Einsatz. Dass es am Ende doch knapp wurde, lag zum einen am Pech mit zwei unglücklichen knappen Niederlagen zu Saisonbeginn, zum anderen an den stark aufspielenden Münchenern.
Ganz sicher wichtig, angesichts des Herzschlag-Finales eher entscheidend, war der Heimvorteil in den beiden Doppelrunden im Gemeindesaal Löffelstelzen. Die Schachfreunde konnten sich unter den hervorragenden Bedingungen dort voll auf ihre Matches konzentrieren. Dank gilt deshalb der Stadt und der Teilgemeinde Löffelstelzen mit den zahlreichen Unterstützern vor Ort. Herauszuheben unter diesen Vielen ist dabei der SV Löffelstelzen, der sich nun verdienterweise mit seiner kleinen Schachabteilung als Erstliga-Verein bezeichnen darf.
Den optimalen Spieltag für die Schachfreunde perfekt machte am Sonntag die Reserve mit einem knappen, aber eminent wichtigen 4,5:3,5-Sieg im Oberliga-Spiel gegen Baden-Baden 4. Obwohl Bad Mergentheim taktisch ein Brett kampflos aufgab und nur mit sieben Mann antrat, konnten die Kurstädter alle Abstiegssorgen abschütteln. Ausschlaggebend war der Sieg von Mannschaftsführer Michael Pfleger, der im entscheidenden Moment zuverlässig und gewohnt seine Leistung brachte. Mit acht Punkten ist der Klassenerhalt in der vierthöchsten deutschen Liga nach sieben und zwei Runden vor Schluss unter Dach und Fach.
06.03.2026 | |||||||||||